Angst in der Nacht: Warum Sorgen nachts größer wirken und was hilft
Nachts wirken Sorgen oft größer als am Tag. Das ist kein Zufall und kein Zeichen von Schwäche. Hier erfährst du, warum das so ist und was dir beim Einschlafen und Durchschlafen helfen kann.
Warum Angst nachts stärker wirkt
- Es fehlt Ablenkung. Im Dunkeln und in der Stille richtet sich die Aufmerksamkeit nach innen, auf Gedanken und Körpersignale.
- Müdigkeit schwächt die Kontrolle. Wer erschöpft ist, kann Gedanken schlechter einordnen und bewertet Dinge negativer.
- Der Körper wird bewusster wahrgenommen. Herzschlag oder Atem fallen im Liegen mehr auf.
- Probleme lassen sich nachts nicht lösen. Das verstärkt das Gefühl der Hilflosigkeit.
Nächtliche Panikattacken
Manche Menschen wachen mitten in der Nacht mit Herzrasen, Atemnot und Todesangst auf. Das ist beängstigend, aber in der Regel nicht gefährlich. Wenn solche Anfälle zum ersten Mal auftreten, lass sie ärztlich abklären. Mehr dazu im Beitrag Panikattacke.
Was dir in der Nacht helfen kann
Ruhig atmen
Atme vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus. Wie das geht, steht im Beitrag Atemübungen gegen Angst.
Nicht gegen die Wachheit kämpfen
Je mehr du dich zwingst einzuschlafen, desto wacher wirst du. Wenn du nach etwa 20 Minuten nicht schläfst, steh auf, geh in ein anderes Zimmer und beschäftige dich ruhig, zum Beispiel mit Lesen bei gedämpftem Licht. Geh erst wieder ins Bett, wenn du müde bist.
Sorgen aufschreiben
Halte Block und Stift neben dem Bett bereit. Notiere, was dich beschäftigt, und sag dir: „Ich kümmere mich morgen darum.“
Muskeln entspannen
Die progressive Muskelentspannung kann beim Einschlafen helfen.
Was du tagsüber und abends tun kannst
- Plane abends eine feste Zeit für Sorgen, aber nicht direkt vor dem Schlafen.
- Trink nachmittags und abends kein Koffein mehr.
- Meide Alkohol als Einschlafhilfe. Er stört den Schlaf und kann die Angst am Folgetag verstärken.
- Lass Bildschirme und aufwühlende Nachrichten eine Stunde vor dem Schlafen weg.
- Geh regelmäßig zu festen Zeiten ins Bett und steh zu festen Zeiten auf.
- Sport am Tag fördert den Schlaf, am späten Abend ist er eher aufputschend.
Wann du Hilfe suchen solltest
Wenn du über mehrere Wochen an mehreren Nächten pro Woche schlecht schläfst, tagsüber stark erschöpft bist oder die Angst vor der Nacht wächst, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Schlafstörungen und Angst beeinflussen sich gegenseitig und lassen sich gut behandeln.
Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine Diagnose, Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Bei akuter Gefahr, Suizidgedanken oder starken körperlichen Beschwerden: Notruf 112. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar und kostenlos: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichst du unter 116 117.
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Quellen und weiterführende Informationen
- AWMF: S3-Leitlinie „Behandlung von Angststörungen“ (Registernummer 051-028), awmf.org
- Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)
- Terminservicestelle und ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117.de
- Telefonseelsorge: telefonseelsorge.de
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